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SAM 3879Der erste Schuss, den ein britischer Soldat 1914 abfeuerte, fiel nicht in Europa, sondern in Afrika, durch einen afrikanischen Kolonialsoldaten im Zuge der Besetzung Togos im August 1914. Und die letzten deutschen Soldaten, die 1918 kapitulierten, taten dies ebenfalls in Afrika, als am 25. November 1918, über zwei Wochen nach dem Waffenstillstand an der Westfront, die letzten Angehörigen der deutsch-ostafrikanischen Schutztruppe die Waffen niederlegten. Grund genug also, dem Thema des Ersten Weltkriegs in Afrika einen Vortragsabend des ÖSAC zu widmen.

SAM 3877Am 25. November 2014 referierte unser Vizepräsident, Univ.-Doz. Dr. Erwin A. Schmidl, über dieses Thema im K+K Hotel „Maria Theresia" und bot im Rahmen seiner Ausführungen einen Überblick. Dabei betonte er vor allem die strategische Rolle Togos mit der deutschen Funkstation in Kamina – vom Sender Nauen bei Berlin aus war es möglich, über Kamina die deutschen Schutzgebiete (= Kolonien) in Afrika, aber auch Schiffe und Vertretungsbehörden im Atlantik und Lateinamerika zu erreichen. Dies war auch der Grund, warum Togo noch im August 1914 durch britische Truppen erobert wurde. Die Besatzung der Funkstation zerstörte die Anlage vor der Einnahme durch die Briten selbst; davor waren allein im August 1914 229 Telegramme empfangen und gesendet worden. U.a. erfolgte die Information der deutschen Kolonien über den Kriegsausbruch in Europa und die Warnungen an deutsche Handelsschiffe, neutrale Häfen anzulaufen, über Kamina.


SAM 38841915 und 1916 wurden die deutschen Schutzgebiete Südwestafrika (heute Namibia) und Kamerun von südafrikanischen, britischen und französischen Truppen erobert. Vor allem die Verteidigung Kameruns durch die Schutztruppe unter Major (später Generalmajor) Carl Heinrich Zimmermann (1864-1949) gilt als Beispiel einer hinhaltenden Verteidigung gegen überlegene Kräfte, wobei aber Zerstörungen in der Kolonie möglichst vermieden wurden.
Dies stand im Gegensatz zu den Vorstellungen des Oberstleutnants (und späteren Generals der Infanterie) Paul von Lettow-Vorbeck (1870-1964), der mit der Verteidigung Deutsch-Ostafrikas (d.h. des Großteils des heutigen Staates Tansania sowie Ruanda und Burundi) möglichst viele Entente-Truppen (darunter starke südafrikanische und indische Kontingente) in Afrika binden wollte, dafür aber das Leid der Bevölkerung und schwerste Zerstörungen in Kauf nahm – im Gegensatz zum Gouverneur, Dr. Heinrich Schnee (1871-1949), der zwar eine Verteidigung, nicht aber die Selbstzerstörung der Kolonie vorgesehen hatte, über dessen Vorstellungen sich Lettow-Vorbeck aber mit Erfolg hinwegsetzte. Schnee ist nicht zuletzt durch seine Publikationen, darunter das dreibändige „Kolonial-Lexikon", bekannt geworden.

SAM 3880Im Zuge seines Überblicks schnitt Dr. Schmidl auch Themen an, die sonst eher „vergessen" werden, wie das Leiden der Kriegsgefangenen und Zivilinternierten, vor allem aber der Afrikaner, in deren Land die Kolonialmächte ihren Krieg ausfochten, mit den entsprechenden Verlusten und Folgen für die Bevölkerung. Auch die meisten in Afrika eingesetzten Soldaten waren (Schwarz-) Afrikaner.
In Südafrika wurden Schwarze nicht zum Dienst mit der Waffe, sondern als Arbeitskräfte mobilisiert und als solche auch an der Westfront eingesetzt (vgl. dazu den Beitrag in den „Impulsen", Nr. 2 aus 2014). Die Erinnerung an diesen Krieg in Südafrika ist daher auch nicht einheitlich. Der Einsatz (weißer) südafrikanischer Truppen auf Seite der Entente in Südwest- und Ostafrika sowie an der Westfront wurde vor 1994 vor allem betont, um die Verbundenheit mit dem Westen hervorzuheben. Die Rolle der nicht-weißen Bevölkerung und Kriegsteilnehmer hingegen wurde zwar in der wissenschaftlichen Forschung, kaum aber in der Öffentlichkeit gewürdigt.

SAM 3872Aus heutiger Sicht ist es daher wichtig – um einen der führenden südafrikanischen Militärhistoriker, Fregattenkapitän d.Res. Prof. Dr. Thean Potgieter, zu zitieren (vgl. „Impulse" Nr. 1 aus 2014) – „einen neuen, umfassenden Zugang zur Erinnerung an den Großen Krieg zu finden. Immerhin standen damals koloniale Eroberer zusammen mit ihren Opfern (weiß und schwarz) gemeinsam im Kampf für ihr Land und ihre Zukunft."

 

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