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Vor geraumer Zeit erhielt ich seitens eines unserer Mitglieder nachstehenden Leserbrief, der in der Zeitung „die Presse“ vom 15. Jänner 2017 veröffentlicht wurde. Als Verfasser wurde ein Ernst Warnecke aus Niederösterreich angegeben:


LESERBRIEF AUS „DIE PRESSE“ VOM 15. JÄNNER 2017

Vermeintlicher Völkermord Zu „Völkermord für den Platz an der Sonne“, von Günther Haller, 8. 1.

 

Herr Haller beleuchtet die deutsche Kolonialgeschichte eher aus einer übergeordneten Perspektive und gibt keine Details zu dem vermeintlichen Völkermord. Soweit mir bekannt, wird die Schlacht am Waterberg oft als der deutsche Völkermord angesehen. / Ich bin in Namibia auch mit diesem Thema in Berührung gekommen und habe in Windhoek das Buch „Gewisse Ungewissheiten“ von Rainer Tröndle gekauft. Er analysiert die Geschehnisse von einem wissenschaftlichen Standpunkt, ganz nüchtern und auf Fakten basierend, was am Waterberg geschehen sein könnte bzw. was es dort nicht gegeben haben kann. Dazu gehört die Frage, ob die deutschen Soldaten am Waterberg rein zahlenmäßig dazu in der Lage gewesen sein könnten, einen Völkermord zu begehen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass das nicht der Fall gewesen sein kann und dass die Herero mit ihrer exakten Ortskenntnis durch die deutsche Truppenlinie unerkannt durchgezogen sind. Sie sind auch nicht verdurstet, weil sie die Wasserstellen kannten. Tröndle analysiert auch die mögliche Zahl der Herero, indem er abschätzt, was das Land hergibt, um ein Volk zu ernähren. Er kommt zum Schluss, dass die gängigen Zahlen der Herero-Bevölkerung nicht stimmen können und weit überschätzt werden. / Er analiysiert auch die gängige Literatur zum Thema „Völkermord“ und stellt fest, dass hier „Geschichtsklitterung“ betrieben worden ist. Insbesondere die Publikationen des DDR-Autors Horst Drechsler aus den Jahren 1966 und 1984, auf die sich die Völkermord-Theorie (müsste wohl eher –These heißen, Anmerkung FR) bezieht, sind ein Produkt der DDR-Propaganda aus der Zeit des Kalten Krieges mit der politischen Zielrichtung, der damaligen Bundesrepublik Deutschland zu schaden. Tröndle weist nach, dass Drechsler Quellen manipuliert hat, selektive Auswahl betreibt und Geschehnisse falsch darstellt und interpretiert. / Mich hat Tröndle mit seinen fundierten, sachlichen Darstellungen, in denen er auf jede Polemik oder Ideologie verzichtet, überzeugt. Er kommt zu dem Schluss, dass ein Völkermord an den Herero, so wie er allgemein dargestellt wird, nicht möglich gewesen sein kann. / Nebenbei ist noch interessant, dass in den namibischen Städten die alten deutschen Straßennamen aus der Kaiserzeit immer noch existieren. In Windhoek ist zwar die Kaiser-Wilhelm-Straße in Nujoma-Straße umbenannt worden, aber das war schon alles. Würde ein Land, das einen Völkermord hinter sich hat, sich so gegenüber seinen ‚Mördern‘ verhalten? Niemals. Ernst Warnecke, 2103 Langenzersdorf (Niederösterreich)
Da ich verschiedentlich von unseren Freunden und Mitgliedern auf diesen Leserbrief angesprochen wurde habe ich“ unseren Mann und unsere Frau in Namibia“, das Ehepaar Wallner ersucht weitere Recherchen anzustellen. Nachdem geraume Zeit vergangen war erhielt ich ein Konvolut von Unterlagen, die sich alle auf diese historische Frage bezogen.
Ernst Wallner hat sich sodann in mühevoller Kleinarbeit mit diesem Fragenkomplex beschäftigt und zusammenfassend festgestellt das es zu diesem Thema schon viele Bücher und verständlicherweise unterschiedliche Sichtweisen gibt.
Einleitend befasst er sich mit den Hinweisen auf die Namensänderungen der Straßen im Lande und meint dazu, dass sich in den Leserbrief des Verfassers einige Fehler eingeschlichen haben. Die Kaiser-Wilhelm-Strasse ist zum Beispiel nicht zur Nujoma Strasse sondern zur Independence Avenue umbenannt worden. Es ist schon richtig, dass viele deutsche Straßennamen verloren gegangen sind – Peter Müller Strasse zur Fidel Castro Strasse, Leutweinstrasse zur Robert Mugabe Avenue, Uhlandstrasse zur Dr. Kenneth David Kaunda Strasse usw. Aber es gibt auch noch einige Straßenbezeichnungen, die aus der Zeit Kaiser Wilhelms stammen, wie z.Bsp. die Lazarett Strasse, Bergstrasse, Goethe Strasse uvm.
Herr Weiner hat mir eine ganze Reihe von Unterlagen, insbesondere aus namibianischen Zeitungen, übermittelt, die ich interessierten Personen gerne zur Verfügung stelle.
Nachstehend soll eine chronologische Zusammenstellung der Ereignisse seit dem Jahr 2001 zeigen welche Schritte seitens Namibias und der deutschen Bundesregierung erfolgt sind:
2001
Herero-Vertreter reichen bei einem US-Gericht in Washington Klage gegen die deutsche Regierung ein und einen Schadenersatz in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar. Dieselbe Summe wurde damals zudem vergeblich von zur Kolonialzeit in Namibia aktiven deutschen Unternehmen eingefordert. Das gericht lehnt die Klage wegen Nichtzuständigkeit ab.

August 2004:
Die „Windhoeker Resolution“ – in der von Genozid gesprochen wird – der internationalen Historikerkonferenz wird nicht von allen Teilnehmern diskutiert und unterzeichnet. Die Geschichtsfakultät der namibischen Universität (UNAM) als Gastgeber distanzierte sich im Nachhinein vom eigenmächtigen Handeln einiger Teilnehmer und sprach von „parteilichen Zwecken“.

Oktober 2006:
Der NUDO-Vorsitzende und Herero-Paramount-Chief Kuaima Riruako stellt in der namibischen Nationalversammlung einen Antrag, wonach die deutsche Regierung aufgerufen wird, den Herero-Krieg von 1904-08 als Völkermord anzuerkennen und Reparationen zu zahlen. Dem Antrag wurde mehrheitlich zugestimmt, er wurde offenbar im Jahr 2007 an die Bundesregierung übermittelt.

Juni 2008:
Der Bundestag behandelt einen Antrag von Die Linke: „Anerkennung und Wiedergutmachung der deutschen Kolonialverbrechen“. Der Antrag wurde in zweiter Lesung mit den Stimmen von CDU/CSU, SPD und FDP abgelehnt, während sich die Grünen der Stimme enthielten.

März 2012:
Der Bundestag behandelt zwei Anträge von Die Linke sowie von SPD und Grüne zum Herero-Thema. Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und FDP hat dabei abgelehnt, den Herero-Krieg als „Völkermord“ anzuerkennen sowie dafür eine Entschädigung zu zahlen, wie es manche Gruppierungen von Herero und Nama fordern.

Juli 2015
Kurz nachdem der deutsche Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) den Kolonialkrieg 1904-08 in einem Interview in „Die Zeit“ als Völkermord bezeichnet hat, verwendet auch die Bundesregierung diese Sprachregelung. Auf der Bundespressekonferenz am 10. Juli in Berlin beruft sich Dr. Martin Schäfer, Sprecher des Auswärtigen Amtes, auf einen Antrag im Bundestag vom 20. März 2012, in dem es heißt: „Der Deutsche Bundestag erkennt die schwere Schuld an, die deutsche Kolonialtruppen mit den Verbrechen an den Herero, Nama, Damara und San auf sich geladen haben und betont, wie Historiker seit langem belegt haben, dass der Vernichtungskrieg in Namibia von 1904 – 1908 ein Kriegsverbrechen und Völkermord war.“ Schäfer erklärte, „dass das die Haltung der Bundesregierung ist, mit der sie in Gespräche mit der Regierung Namibias vor etwa einem Jahr mit dem Ziel eingetreten ist, ein gemeinsames Verständnis über das, was geschehen ist, zu gewinnen“.

September 2015:
Der Bundestag behandelt zwei Anträge von Die Linke sowie von Bündnis 90/Die Grünen, in denen diese die Bundesregierung auffordern, „die politische und moralische Verantwortung für den von deutschen Soldaten zwischen 1904 und 1908 in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika verübten Völkermord an den Herero und Nama zu übernehmen“. Die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SDP hat die Zustimmung verweigert. Grund: Man will aktuellen Gesprächen nicht vorgreifen. Die Anträge sind in 3 Ausschüsse verwiesen worden.
http://dip21.bundestag.de/dip21/btp/18/18124.pdf (Seiten 154-159)

November 2015:
Beide Regierungen ernennen Sondervermittler für die Verhandlungen: Zed Ngavirue (Namibia) und Ruprecht Polenz (Deutschland); im Dezember findet das erste Treffen/Gespräch in Namibia statt.

März 2016:
Nachdem die Grünen ihren Antrag von September 2015 zurückgezogen haben, behandelt der Bundestag nur noch den Antrag von Die Linke. Der Auswärtige Ausschuss hat die Ablehnung des Antrags empfohlen; dieser Empfehlung folgt die Regierungskoalition aus CDU/CSU und SDP; Tenor: Man stimmt dem Vorschlag von Botschafter Guibeb zu, einen gemeinsamen Antrag zu formulieren. Die Grünen enthalten sich, Die Linke stimmt dagegen.

5. Januar 2017:
Die Opfergruppen von Herero und Nama reichen Klage bei einem Gericht in New York ein und fordern „Entschädigung für den Völkermord“. Klageführer sind Herero-Chef Vekuii Rukoro und Nama-Chef David Frederick. Vertreten werden sie von der US-Anwaltskanzlei McCallion & Associates.
Erst gestern, am 27. September 2017, erhielt ich von Wallner ein weiteres, hochaktuelles Mail in dieser Angelegenheit, das ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:
(26. September 2017)
Reparation: Zu früh für Verteilungsplan
Genozid-Thema im Parlament: Viele Fragen, wenig Antworten - Regierung will Konsens mit dem Volk
Wie bereitet sich die Regierung auf den Ausgang des Genozid-Dialogs und auf die Verteilung der Reparationsleistungen von 400 Milliarden N$ aus Deutschland vor? Das wollte Oppositionspolitiker Maamberua wissen. Premierministerin Kuugongelwa-Amadhila erteilte ihm eine Absage.

SWANU-Vorsitzender Usutuaije Maamberua will wissen, ob es ein Konzept zur Verteilung der Reparationen aus Deutschland gibt. Bislang gibt es aber weder ein Konzept, noch (Zusagen für) Reparationen. Foto: Nampa
1.
Von Stefan Fischer, Windhoek
Usutuaije Maamberua, Abgeordneter der SWANU, wollte vergangene Woche in der Nationalversammlung Auskunft dazu haben, wie sich die Regierung auf den Ausgang der bilateralen Gespräche mit Deutschland über den Kolonialkrieg 1904-08 vorbereitet. Dazu reichte er zwölf teils sehr ausführliche Fragen ein.

So wollte er u.a. wissen, ob die Regierung bereits ein Rahmenwerk aufgestellt hat, „um den Ausgang der Genozid-Verhandlungen und Reparations-Leistungen (Geld, Projekte, Dienstleistungen etc.), die von Deutschland gesucht werden, zu handhaben“. Des Weiteren wollte er Details haben, wie die Regierung „geeignete Kriterien zur Bestimmung der Völkermord-Opfer“ findet. Ganz konkret fragte er auch: „Welche Formel, wenn überhaupt, wird angewendet, um die Reparationen mit anderen gleichsam fordernden Nutznießern namibischer Herkunft in der Diaspora zu teilen?“
Der SWANU-Abgeordnete erwähnte einen angeblich von Deutschland geforderten Betrag von 400 Milliarden N$ (ca. 25 Mrd. Euro) und wollte außerdem wissen, ob dieser auch Zahlungen der „Komplizen des Völkermordes, wie deutsche Privatfirmen, Finanzinstitute, religiöse Institute etc.“ einschließe.
Premierministerin Saara Kuugongelwa-Amadhila gab nur eine kurze Antwort. „Die Verhandlungen zwischen beiden Ländern dauern noch an und die namibische Nation wird über das Ergebnis der Verhandlungen informiert“, sagte sie und versprach: „Die Regierung wird weiterhin alle Namibier, inklusive betroffene Gemeinschaften, konsultieren, um deren Sichtweisen zu erhalten, damit wir einen Konsens erreichen und mit einer Stimme sprechen.“ Deshalb werde die Regierung „nicht einen einseitigen (...) Rahmenplan“ zum Umgang mit Reparationen in Kraft setzen.
Die SWAPO-Politikerin führte aus: Sobald die Verhandlungen abgeschlossen seien, werde man einen „umfassenden Konsultationsprozess“ starten, um „Vorschläge von allen Namibiern für die bestmögliche Strategie des Umgangs mit den geplanten Reparationen“ zu finden. So weit sei man aber noch nicht: „Deutschland hat noch nicht offiziell die Verantwortung für den Völkermord akzeptiert und noch nicht eine bedingungslose Entschuldigung angeboten. Das ist der momentane Stand“, sagte sie.
Der deutsche Botschafter Christian Schlaga sagte unlängst, dass seine Regierung Reparationen nicht als Mittel zu einer Einigung und Befriedung ansehe (AZ berichtete).

Sie sehen, dieser Problemkreis, nunmehr auch gerichtlich anhängig, wird noch lange nicht befriedigend gelöst werden können; die Frage ist ob es überhaupt eine vernünftige Lösung geben wird.
Dass es diese „Schlachten“ gegeben haben muss, zeigen die Friedhöfe in der Waterberg Region mit den Namen gefallener Deutscher Soldaten und Hereros, beschließt Wallner seine Überlegungen,